WEB 2.0 - ALLTAG IM WEB

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Mit Web 2.0 erobern sich die BenutzerInnen das Internet zurück – heißt es. Nie soll es einfacher gewesen sein, selbst mitzugestalten und zu partizipieren.

„Stell dir eine Welt vor, in der jeder einzelne Mensch auf dem Planeten freien Zugang zum gesamten menschlichen Wissen hat. Das ist es, was wir tun“, sagt Jimmy Wales, Co-Gründer der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia.

Weil es aktueller und umfangreicher ist als jedes andere Lexikon, ist Wikipedia das Nachschlagewerk Nummer eins. Das Konzept dahinter ist, dass die BenutzerInnen nicht nur lesen, sondern sich aktiv einbringen. Bei Wikipedia sind das schon mehr als 7.000 AutorInnen, die regelmäßig an der deutschsprachigen Ausgabe mitarbeiten.

Die "read-only"-Kultur des 20. Jahrhunderts wird allmählich durch eine des "read/write" abgelöst, meint Creative Commons-Erfinder Lawrence Lessig. Menschen benutzen das Medium Internet nicht nur, sondern gestalten es auch mit, von den NutzerInnen zu den ProduzentInnen also. Wikipedia ist nur ein Beispiel von vielen, wo das Netz ein Werkzeug für Zusammenarbeit darstellt.

Social Web zeichnet sich dadurch aus, dass es die NutzerInnen miteinander verbindet. Eine Dating-Seite und das StudiVZ zählen ebenso dazu, wie Weblogs oder das Online-Lexikon Wikipedia. Sozial Web baut wesentlich auf Vernetzung durch Links auf. Das Prinzip Connecting ist auch die große Stärke von Wikis, die auf den ersten Blick so wenig mit Blogs gemein haben: Denn während der/die Autor/in beim Blog ganz zentral und Selbstdarstellung wesentlicher Teil des Konzepts ist, verschwinden bei Wikis die zahlreichen AutorInnen (fast) völlig. Was von ihnen übrig bleibt, ist der gemeinsam geschaffene Inhalt, ein kollektiv-kooperatives Werk.

Blick in die Blogosphäre

JournalistInnen tun es, ebenso die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, so wie der österreichische Sozialminister Erwin Buchinger. Sogar die Gewerkschaft tut es. Wer bloggt, liegt also im Trend der Zeit.

Blogs gibt es zu allen erdenklichen Themen und zu deren Erstellung gehört – außer einem Computer mit Internet – nicht viel dazu. Das bestätigen auch die Zahlen rund um das seit den 1990ern bestehende
chronologisch geordnete Tagebuch im Web. Angeblich entsteht jede Sekunde ein neuer Weblog, laut Blogherold.de gibt es weltweit fast 200 Millionen der digitalen Netz-Tagebücher, wovon ca. 300.000 in Deutschland gestartet wurden und geschätzte 20.000 in Österreich.

Bloggen bleibt aber – wie die Internetnutzung generell – vorwiegend Sache der jungen Bevölkerung: Rund 92% der Blogs werden von unter 30-Jährigen angelegt. Gelesen werden die meisten von vielleicht hundert LeserInnen, nur wenige schaffen es, mehrere hundert oder tausend LeserInnen anzuziehen. Einer von jenen Bloggern, der so richtig viel Resonanz bekam, war „Salam Pax“, der 2003 während des Irak-Krieges berichtete. Sein Blog „dear Raed“ wurde von bis zu drei Millionen Leuten pro Tag gelesen.

Und dennoch: Allzu harmlos scheint es in der Blogosphäre schon lange nicht mehr zuzugehen. Dass nun auf Initiative von Web 2.0-Begriffserfinder und Web-Guru O’Reilly Verhaltensregeln und Blog-Abzeichen entstanden, lässt die BloggerInnen – vor allem in den USA, wo Blogs schon wichtige Nachrichten-Funkt- ionen inne haben – erneut heftig über freie Meinungsäußerung diskutieren.

Journalismus ohne Qualitätskontrolle?

Für Julian Paine, Mitarbeiter der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ sind Blogs „die neuen Vorboten freier Meinungsäußerung. BloggerInnen seien in Krisengebieten oft die einzig richtigen JournalistInnen, wenn die Mainstream-Medien zensiert werden“, meint Paine. Gerade in solchen Ländern zeigen Blogs eine andere journalistische Qualität, nämlich die der Primär- recherche. „Diktatoren fürchten sich vor dieser neuen Medienmacht“, schreibt der Chefredakteur von ZEIT-Online, Gero von Randow über Blogs.

Andere halten dagegen, dass im Netz hauptsächlich extremistische Gruppen die Initiative ergreifen und dass man die Mehrzahl der Weblogs entweder als „politisch zweifelhaft“ oder „Müll“ einstufen soll. Das besondere an Weblogs ist somit sicher auch, dass sie sehr vielseitig sind. Und zumal auch eine kritische Gegenöffentlichkeit. „Unbequeme Nachrichten lassen sich heute nicht mehr leicht unter-drücken“, meint Robert Misik, selbst Autor eines Blogs www.misik.at, „im Blogzeitalter sitzen die Mächtigen unbequemer.“

Zurück in die Zukunft

Unter dem Schlagwort „Web 2.0“ sind eine Menge neue Medien aufgetaucht, die den/die „normale/n“ BürgerIn einladen, im Internet aktiv zu werden. Dass das Internet Interaktion ermöglichen soll, ist keineswegs neu, sondern geht zum Ursprung des Internets zurück. Als das World Wide Web (WWW) Anfang der 1990er-Jahre in Betrieb ging, hatten seine ErfinderInnen und die ersten PionierInnen eine weltweite Plattform für kritischen Austausch und Dialog im Sinn. Das World Wide Web sollte ein gemein-
samer Sammelplatz für Informationen werden. Mitte der neunziger Jahre folgte schließlich die
Kommerzialisierung des Webs: Die NutzerInnen wurden so mehr und mehr zu KonsumentInnen,
nicht zu AkteurInnen.

BLOG-ROLL

Ein paar lesenswerte Blogs. Von Bildblog bis DieZeit- Blogs. Die Liste erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit und lässt sich unendlich lang fortsetzen.

bild_15.pngBildblogwww.bildblog.de
Das Team um den Bildblog fühlt der mächtigsten Zeitung Deutschlands auf den Zahn.

netzpolitik.org.png Netzpolitik.org – www.netzpolitik.org
Netzpolitik beschäftigt sich mit der Informationsgesellschaft und BürgerInnenrechten im digitalen Zeitalter.

netzolitik.pngHerdentrieb - http://blog.zeit.de/herdentrieb/
Betrachtungen über die freie Marktwirtschaft und die ihr folgende Herde. Von Zeit-Redakteur Robert von Heusinger.

pressthink.png PressThink - http://journalism.nyu.edu/pubzone/weblogs/pressthink/
Der, anspielend auf George Orwells „Newspeak“ benannte, Blog beobachtet Entwicklungen in der Medienkonzernlandschaft und versucht, eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen.

glutter.pngGlutter - http://glutter.typepad.com/
Yan Shan-Shackelton bloggt über Politik, Kunst und Zensur in China.

bild_34.pngWilliam Gibson Blog - http://www.williamgibsonbooks.com/blog/blog.asp
Urgestalt der Open Source Bewegung und Gründer des Cyberpunk-Genres („Neuromancer“) William Gibson schreibt über Parkplätze, seine Bücher und Politik.